Diarrhoe im Säuglings- und Kleinkindalter: Diagnose
Definition
Mindestens 4 Stuhlentleerungen pro Tag von ungewöhnlich weicher oder flüssiger Konsistenz.
Häufigkeit
Extrem groß, im Kindesalter mehrere Durchfallserkrankungen pro Jahr normal
Einteilung
- Akute Diarrhoe
- Chronische oder chronisch-rezidivierende Diarrhoe (mehr als 3 Wochen andauernde Stuhlveränderungen)
Ätiologie der akuten Diarrhoe (s. a. Tabelle)
Enterale Infektionen
- Viral (häufigste Ursache): meist Rotaviren, außerdem Coxsackieviren, Adenoviren etc.
- Bakteriell (durch enterotoxinbildende und/oder enteroinvasive Keime):
- vor allem Colibakterien, Salmonellen, Shigellen, Campylobacter jejuni;
- nach Antibiotika-Therapie (Ampicillin, Cephalosporin, Clindamycin) vor allem bei Staphylokokken, Clostridium difficile + C. d. Toxin ("Pseudomembranöse Enterokolitis")
- Sonderform: nekrotisierende Enterokolitis der Früh- und Neugeborenen
- hämolytisch urämisches Syndrom (E. coli)
"Parenterale Diarrhoe"
Im Rahmen primär nicht enteraler Infektionen: z. B. bei Harnwegsinfekten, Otitis media, respiratorischen Infekten etc.
Allergische Diarrhoe
IgE-vermittelte enterale Reaktion auf Zufuhr bestimmter Nahrungsmittel, meist bei atopisch veranlagten Kindern
Allgemeine Erkrankungen
Sepsis, Appendizitis
Diät
Hyperosmolare Getränke (Apfelsaft)
Überlauf-Dyspepsie
Durch übergroßes Nahrungsangebot
Intoxikationen
Zum Beispiel durch Methämoglobin, Lebensmittelvergiftungen (Clostridium perfringens, Staphylokokkentoxin) etc.
Ätiologie der chronischen Diarrhoe (s. a. Zölikie: DD)
Unspezifische Kleinkind-Diarrhoe
- Relativ häufige, wohl funktionell bedingte Durchfallsform bei lebhaften, gut gediehenen Kleinkindern
- Morgenstuhl meist geformt
Protrahierte virale oder bakterielle Enteritis
(siehe Enterale Infektionen)
Darmparasiten
Vor allem Lamblien, Amöben, auch Askariden (bei massivem Befall)
Postenteritisches Syndrom
Durch enterale Infektionen erworbene, transitorische Maldigestion oder Malabsorption von Zuckern (meist Laktasemangel, Monosaccharid-Malabsorption), selten auch Kuhmilchprotein-Intoleranz
Zöliakie, Kuhmilchprotein-Intoleranz
Mukoviszidose und Pankreasinsuffizienz anderer Ursache
Zum Beispiel Zystenpankreas, Pankreashypoplasie, Shwachman-Syndrom etc.
Maldigestion und Malabsorption
- Durch enterale Enzymdefekte oder Transportstörungen: z. B. Laktasemangel, Disaccharidase-Mangel, Enterokinase-Mangel, hereditäre Fruktose-Intoleranz etc.
- Kombinierte Immundefekte, IgA-Mangel-Sprue
Nichtinfektiöse Darmerkrankungen (NEC)
- Hirschsprung-Krankheit
- Colitis ulcerosa
- Morbus Crohn
- Schoenlein-Henoch-Syndrom
- Eosinophile Gastroenteritis
Medikamente und medikamentöse Nebenwirkungen
Zum Beispiel Laxanzien, Antibiotika, Antimetabolite etc.
Andere seltene Ursachen
Kongenitale Chloriddiarrhoe, Akrodermatitis enteropathica, Tyrosinose, hormonaktive Tumoren
- Familienanamnese
- Ernährungsanamnese
- Stuhlanamnese: Quantität, Qualität (flüssig, breiig, schleimig, blutig, fettglänzend, unverdaut etc.); Geruch (übelriechend, sauer, fad etc.); Frequenz, Abhängigkeit der Stuhlentleerungen von Tageszeit und Nahrungsaufnahme
- Beginn und Dauer der Symptomatik
- Begleitsymptome (Erbrechen, Inappetenz, Fieber, Infektzeichen, Hautveränderungen, Olipurie)
- Bei chronischer Diarrhoe Gewichtsverlauf, Wachstumsverlauf, Häufigkeit pulmonaler Infekte
- Grunderkrankung, Auslandsaufenthalt
Abhängig von Ätiologie (s.a. Tabelle); im Folgenden einige Grundsätze:
Typische Stuhleigenschaften bei
| Pankreasinsuffizienz (z. B. Mukoviszidose) | voluminös, fettglänzend, übelriechend |
| Zöliakie | sandfarben, fadriechend, manchmal fettglänzend |
| Kuhmilchprotein-Intoleranz | wässrig, manchmal blutig |
| Fermentativer Diarrhoe | schaumig, stechend-sauer riechend |
| Unspezifischer Kleinkind-Diarrhoe | breiig, oft mit Schleim |
Dystrophie
Findet sich vor allem bei Zöliakie, Pankreasinsuffizienz, Kuhmilchprotein-Intoleranz, fermentativer Diarrhoe
Heißhunger/ Inappetenz
Heißhunger bei Pankreasinsuffizienz, Inappetenz bei Zöliakie und Darminfektionen
Erbrechen
Häufiges Symptom bei Enteritis, Zöliakie, Laktasemangel, Fruktose-Intoleranz, Kuhmilchprotein-Allergie
Diagnostik
- Eingehende körperliche Untersuchung, Gewichts- und Wachstumskurve, Temperaturmessung
- Stuhldiagnostik (anstreben v. a. bei schweren Symptomen, blutigen Durchfällen, Auslandsaufenthalt, immunsupprim. Kindern)
- Inspektion, evtl. mikroskopische Untersuchung (Leukozyten, Wurmeier, Lamblienzysten etc.)
- Bei Verdacht auf Enteritis mikrobielle Untersuchung (Viren, Bakterien), bei Antibiotika-/Chemotherapie Stuhl auf Clostridium difficile untersuchen
- Bei Verdacht auf Malabsorption Stuhlanalyse (Fettgehalt, Chymotrypsingehalt etc.)
- Blutuntersuchungen (nicht erforderlich bei unkomplizierter akuter Diarrhoe ohne Exsikkose):
- Blutbild, Elektrolyte, Säure-Basen-Haushalt, Blutzucker, Blutgase, CRP,
- evtl. Serologie (Samonellen, Yersinien, Shigellen etc.) (siehe auch Infektionsnetz/Serodiagnostik)
- bei chronischer Diarrhoe außerdem Eisen, Ferritin, Gesamteiweiß, Blutsenkung, Immunologie etc.
- Spezielle Diagnostik je nach Krankheitsbild (s. a. Tabelle), z.B.:
- Schweißtest
- Gliadin-Antikörper
- Kuhmilchprotein-Antikörper
- Dünndarmbiopsie
- Duodenalsaftuntersuchungen
- Belastungstests etc.
Differentialdiagnose
- "Physiologische Diarrhoe" gestillter Säuglinge: z. T. nach jeder Mahlzeit breiige bis flüssige, oft spritzende Stühle
- "Hungerstühle": häufige, grünliche, dünn-schleimige Stühle geringen Volumens bei Mangelernährung
Komplikationen
- Bei akuter Diarrhoe Exsikkose (s. dort), Elektrolytentgleisungen, Azidose
- Bei chronischer Diarrhoe Dystrophie, Eiweißmangel, Vitaminmangelerscheinungen etc.
Merke
- Akute Enteritiden können bei Säuglingen schnell zur Exsikkose führen
- Bei persistierenden Durchfällen nach Enteritis an postenteritisches Syndrom denken
- Bei chronischen Durchfällen Mukoviszidose und Zöliakie ausschließen
Die häufigsten Ursachen der Säuglings- und Kleinkinddiarrhoe
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Ätiologie
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Stuhl
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Begleitsymptome
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Spezielle Diagnostik
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Therapie
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| Enterale Infektion | breiig bis wässrig, auch blutig | Fieber, Erbrechen, Bauchschmerzen | mikrobiologische Stuhl- untersuchung, Serologie |
Rehydratation , Diät |
| Postenteritisches Syndrom | unterschiedlich | evtl. Bauchschmerzen |
-
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Heilnahrung, semi- elementare Diät |
| Unspezifische Kleinkind- diarrhoe |
Morgenstuhl geformt, dann meist breiig |
keine! |
-
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-
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| "Parenterale Diarrhoe" | unterschiedlich | Infektsymptome |
-
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evtl. Rehydratation, Diät |
| Überlaufdyspepsie | massig, breiig |
-
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-
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Nahrungsmenge normalisieren |
| Allergische Diarrhoe | oft wässrig | Bauchschmerzen, Urtikaria | IgE, RAST-Tests, Auslass-Versuch | Allergenkarenz |
| Zöliakie | saurer Gärungsstuhl, schaumig, voluminös |
Dystrophie, Minderwuchs, Erbrechen, Anorexie | Gliadin-AK, Dünndarm- biopsie |
Gliadinkarenz |
| Pankreasinsuffizienz (z.B. Mukoviszidose) |
voluminös, fettglänzend, übelriechend |
bei Mukoviszidose pulmonale Symptomatik |
Schweißtest, Stuhlanalyse, Enzyme im Duodenalsaft |
Enzymsubstitution |
| Maldigestion/-absorption von Zuckern |
saurer Gärungsstuhl | evtl. Dystrophie, Exsikkose, Erbrechen |
Belastungstests, Dünn- darmbiopsie |
Diät |
| Kuhmilchprotein-Intoleranz | wässrig oder schleimig, oft blutig |
evtl. Dystrophie, Erbrechen, Bauchschmerzen |
Antikörper | kuhmilcheiweißfreie Diät |








