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Diagnose Therapie Informationen aus der Industrie

Diarrhoe im Säuglings- und Kleinkindalter: Diagnose

Definition
Mindestens 4 Stuhlentleerungen pro Tag von ungewöhnlich weicher oder flüssiger Konsistenz.

 

Häufigkeit

 

Extrem groß, im Kindesalter mehrere Durchfallserkrankungen pro Jahr normal

 

Einteilung

 

Ätiologie der akuten Diarrhoe (s. a. Tabelle)

Enterale Infektionen

 

"Parenterale Diarrhoe"

Im Rahmen primär nicht enteraler Infektionen: z. B. bei Harnwegsinfekten, Otitis media, respiratorischen Infekten etc.

 

Allergische Diarrhoe

IgE-vermittelte enterale Reaktion auf Zufuhr bestimmter Nahrungsmittel, meist bei atopisch veranlagten Kindern

 

Allgemeine Erkrankungen


Sepsis, Appendizitis

 

Diät

Hyperosmolare Getränke (Apfelsaft)

 

Überlauf-Dyspepsie

Durch übergroßes Nahrungsangebot

 

Intoxikationen

Zum Beispiel durch Methämoglobin, Lebensmittelvergiftungen (Clostridium perfringens, Staphylokokkentoxin) etc.

Ätiologie der chronischen Diarrhoe (s. a. Zölikie: DD)

Unspezifische Kleinkind-Diarrhoe

  • Relativ häufige, wohl funktionell bedingte Durchfallsform bei lebhaften, gut gediehenen Kleinkindern
  • Morgenstuhl meist geformt

 

Protrahierte virale oder bakterielle Enteritis

(siehe Enterale Infektionen)

Darmparasiten

Vor allem Lamblien, Amöben, auch Askariden (bei massivem Befall)

 

Postenteritisches Syndrom

Durch enterale Infektionen erworbene, transitorische Maldigestion oder Malabsorption von Zuckern (meist Laktasemangel, Monosaccharid-Malabsorption), selten auch Kuhmilchprotein-Intoleranz

 

Zöliakie, Kuhmilchprotein-Intoleranz

 

Mukoviszidose und Pankreasinsuffizienz anderer Ursache

Zum Beispiel Zystenpankreas, Pankreashypoplasie, Shwachman-Syndrom etc.

 

Maldigestion und Malabsorption

  • Durch enterale Enzymdefekte oder Transportstörungen: z. B. Laktasemangel, Disaccharidase-Mangel, Enterokinase-Mangel, hereditäre Fruktose-Intoleranz etc.
  • Kombinierte Immundefekte, IgA-Mangel-Sprue

 

Nichtinfektiöse Darmerkrankungen (NEC)

 

Medikamente und medikamentöse Nebenwirkungen

 

Zum Beispiel Laxanzien, Antibiotika, Antimetabolite etc.

 

Andere seltene Ursachen

 

Kongenitale Chloriddiarrhoe, Akrodermatitis enteropathica, Tyrosinose, hormonaktive Tumoren

 

Anamnese

 

  • Familienanamnese
  • Ernährungsanamnese
  • Stuhlanamnese: Quantität, Qualität (flüssig, breiig, schleimig, blutig, fettglänzend, unverdaut etc.); Geruch (übelriechend, sauer, fad etc.); Frequenz, Abhängigkeit der Stuhlentleerungen von Tageszeit und Nahrungsaufnahme
  • Beginn und Dauer der Symptomatik
  • Begleitsymptome (Erbrechen, Inappetenz, Fieber, Infektzeichen, Hautveränderungen, Olipurie)
  • Bei chronischer Diarrhoe Gewichtsverlauf, Wachstumsverlauf, Häufigkeit pulmonaler Infekte
  • Grunderkrankung, Auslandsaufenthalt

 

Symptome

Abhängig von Ätiologie (s.a. Tabelle); im Folgenden einige Grundsätze:

Typische Stuhleigenschaften bei

 

Pankreasinsuffizienz (z. B. Mukoviszidose) voluminös, fettglänzend, übelriechend
Zöliakie sandfarben, fadriechend, manchmal fettglänzend
Kuhmilchprotein-Intoleranz wässrig, manchmal blutig
Fermentativer Diarrhoe schaumig, stechend-sauer riechend
Unspezifischer Kleinkind-Diarrhoe breiig, oft mit Schleim

 

Dystrophie

Findet sich vor allem bei Zöliakie, Pankreasinsuffizienz, Kuhmilchprotein-Intoleranz, fermentativer Diarrhoe

 

Heißhunger/ Inappetenz

Heißhunger bei Pankreasinsuffizienz, Inappetenz bei Zöliakie und Darminfektionen

 

Erbrechen

Häufiges Symptom bei Enteritis, Zöliakie, Laktasemangel, Fruktose-Intoleranz, Kuhmilchprotein-Allergie

Diagnostik
  • Eingehende körperliche Untersuchung, Gewichts- und Wachstumskurve, Temperaturmessung
  • Stuhldiagnostik (anstreben v. a. bei schweren Symptomen, blutigen Durchfällen, Auslandsaufenthalt, immunsupprim. Kindern)
    • Inspektion, evtl. mikroskopische Untersuchung (Leukozyten, Wurmeier, Lamblienzysten etc.)
    • Bei Verdacht auf Enteritis mikrobielle Untersuchung (Viren, Bakterien), bei Antibiotika-/Chemotherapie Stuhl auf Clostridium difficile untersuchen
    • Bei Verdacht auf Malabsorption Stuhlanalyse (Fettgehalt, Chymotrypsingehalt etc.)
  • Blutuntersuchungen (nicht erforderlich bei unkomplizierter akuter Diarrhoe ohne Exsikkose):
    • Blutbild, Elektrolyte, Säure-Basen-Haushalt, Blutzucker, Blutgase, CRP,
    • evtl. Serologie (Samonellen, Yersinien, Shigellen etc.) (siehe auch Infektionsnetz/Serodiagnostik)
    • bei chronischer Diarrhoe außerdem Eisen, Ferritin, Gesamteiweiß, Blutsenkung, Immunologie etc.
  • Spezielle Diagnostik je nach Krankheitsbild (s. a. Tabelle), z.B.:
    • Schweißtest
    • Gliadin-Antikörper
    • Kuhmilchprotein-Antikörper
    • Dünndarmbiopsie
    • Duodenalsaftuntersuchungen
    • Belastungstests etc.

 

Differentialdiagnose

  • "Physiologische Diarrhoe" gestillter Säuglinge: z. T. nach jeder Mahlzeit breiige bis flüssige, oft spritzende Stühle
  • "Hungerstühle": häufige, grünliche, dünn-schleimige Stühle geringen Volumens bei Mangelernährung

 

Komplikationen

  • Bei akuter Diarrhoe Exsikkose (s. dort), Elektrolytentgleisungen, Azidose
  • Bei chronischer Diarrhoe Dystrophie, Eiweißmangel, Vitaminmangelerscheinungen etc.

 

Merke

  • Akute Enteritiden können bei Säuglingen schnell zur Exsikkose führen
  • Bei persistierenden Durchfällen nach Enteritis an postenteritisches Syndrom denken
  • Bei chronischen Durchfällen Mukoviszidose und Zöliakie ausschließen
Die häufigsten Ursachen der Säuglings- und Kleinkinddiarrhoe
Ätiologie
Stuhl
Begleitsymptome
Spezielle Diagnostik
Therapie
Enterale Infektion breiig bis wässrig, auch blutig Fieber, Erbrechen, Bauchschmerzen mikrobiologische Stuhl-
untersuchung, Serologie
Rehydratation , Diät
Postenteritisches Syndrom unterschiedlich evtl. Bauchschmerzen
-
Heilnahrung, semi-
elementare Diät
Unspezifische Kleinkind-
diarrhoe
Morgenstuhl geformt,
dann meist breiig
keine!
-
-
"Parenterale Diarrhoe" unterschiedlich Infektsymptome
-
evtl. Rehydratation, Diät
Überlaufdyspepsie massig, breiig
-
-
Nahrungsmenge normalisieren
Allergische Diarrhoe oft wässrig Bauchschmerzen, Urtikaria IgE, RAST-Tests, Auslass-Versuch Allergenkarenz
Zöliakie saurer Gärungsstuhl,
schaumig, voluminös
Dystrophie, Minderwuchs, Erbrechen, Anorexie Gliadin-AK, Dünndarm-
biopsie
Gliadinkarenz
Pankreasinsuffizienz
(z.B. Mukoviszidose)
voluminös, fettglänzend,
übelriechend
bei Mukoviszidose
pulmonale Symptomatik
Schweißtest, Stuhlanalyse,
Enzyme im Duodenalsaft
Enzymsubstitution
Maldigestion/-absorption
von Zuckern
saurer Gärungsstuhl evtl. Dystrophie, Exsikkose,
Erbrechen
Belastungstests, Dünn-
darmbiopsie
Diät
Kuhmilchprotein-Intoleranz wässrig oder schleimig,
oft blutig
evtl. Dystrophie, Erbrechen,
Bauchschmerzen
Antikörper kuhmilcheiweißfreie Diät
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Letztes Update:26 Februar, 2009 - 16:13